De janvier à juin 2020, j’étais en stage ouvrier à Hitzacker, un petit village de la magnifique région rurale du Wendland.

L’ex présidente du groupe des Verts au Parlement européen, Rebecca Harms, m’a interviewé dans le journal de sa circonscription. Je rêvais d’améliorer mon niveau d’allemand!

L’article initial se trouve ici.

Vous pouvez le traduire en français via google translate, bonne lecture!

Ein französischer Ägypter als Freiwilliger in Hitzacker Dorf

Anfang 2020 kontaktierte mich ein ehemaliger Mitarbeiter meiner Fraktion im Europäischen Parlament. Schams El Ghoneimi hatte als aussenpolitischer Berater für KollegInnen gearbeitet und wollte jetzt ein bis zwei Monate in Deutschland ein Praktikum machen, um die Sprache zu lernen.

Ich schätzte in Brüssel seine Beratung und seinen klugen politischen Instinkt zu den Themen des Arabischen Frühlings und ganz besonders zum Krieg in Syrien. Seine Initiative Syrians got Talent gehört mit zu dem Schönen, was wir 2015 in Brüssel auch zusammen erlebt haben. Unsere Suche nach einer Praktikantenstelle für ihn endete nicht, wie erwartet, in einem Büro im Deutschen Bundestag. Schams kam nach Hitzacker um als Freiwilliger auf dem Bau zu arbeiten. Wegen Corona blieb er viel länger als erwartet. Deutsch hat er gelernt – wir haben darauf verzichtet alles zu korrigieren 😇 Aber auch sonst hat er so einiges über das Wendland und Deutschland gelernt.

Rebecca Harms

Was hat dich, den jungen Großstädter und weltläufigen, engagierten politischen Berater nach Hitzacker gebracht?

Anfang Januar hatte ich nie von Wendland gehört. Das heißt, bis eine tolle Freundin von mir, Karoline Klose, die von hier kommt, mir über Hitzacker Dorf erzählte: was für ein wunderbares Projekt! Solche  Initiativen von Bürgern gefallen mir sehr und ich dachte, dass ich auch mithelfen kann. Ein paar Tagen später war ich in Hitzacker Dorf – zum Glück war Corona am 28. Januar nur ein Bier.

Die Deutsche Sprache zu meistern ist seit langem ein alter Traum von mir. Vielen Deutschen beim europäischen Parlament, wo ich gearbeitet habe, können gut französisch, wie du Rebecca, während sehr wenig Franzosen gut Deutsch können.

Warum Deutsch : das hat mit meiner Oma zu tun. Während der Nazibesatzung war meine elsässische Großmutter beim Reichsarbeitsdienst

Das Lebens meiner Oma hat mich überzeugt, eure Sprache und wunderbares Land zu entdecken. Ich glaube, wir müssen unbedingt unsere europäische Union weiter bauen und beachten. Denn die EU ist ein absolutes Wunder in unserer Geschichte. Die Dämonen können wiederkommen – man kann sie schon wieder hören, von Chemnitz bis Beziers, von Brexit bis Trump. Noch ist leider nichts gewonnen. Aus Respekt und Pflicht vor unseren Vorfahren, vor was sie erlebt haben, müssen wir zusammen Nationalismus bekämpfen.

« Die Grenzen der Sprache sind die Grenzen der Welt » – sagte Ludwig Wittgenstein. Ich stimme zu!

Was hast du erwartet, als du zusagtest als Freiwilliger auf dem Bau in Hitzacker-Dorf zu arbeiten?

Ich hatte ein bisschen Angst, Kartoffeln jeden Tag im Regen ohne Tageslicht essen zu müssen. So sind Vorurteilen. Ehrlicher gesagt war ich gespannt, dass ich auf dem Land engagierte Leute kennen lernen würde. Ich befürchtete nur, dass ich vielleicht dogmatische Leute treffen würde wie in Frankreich.

Was hat dich am meisten überrascht?

Erstens muss ich erkennen, dass viel weniger Kartoffeln und viel mehr Käse gegessen wird, als ich je gedacht hätte!

Zweitens bin ich wirklich beeindruckt von der Kultur der Debatte. Verschiedliche Meinungen sind einfach akzeptiert ohne französische Theatralisierung und Kontroverse. Man kann davon lernen.Es gibt kein Dogmatismus oder genauer gesagt, sind die Dogmas teilweise verschieden.

Drittens, beim Dorf kann ich ein seltsames Gefühl haben: Wohlwollen. Alle helfen einander ganz spontan, und machen sich Sorgen umeinander. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, daß wir in Ägypten wären – das Land, aus dem mein Vater kommt. Dort sind die Leute weniger individualistisch, sehr spontan und solidarisch.

Aber die grösste, unerwartete Überraschung für mich ist ganz anders. Das ist das erste Mal, dass ich auf dem Land lebe. Ich habe immer in große Städte gewohnt, wie Paris und Kairo, für mich sind Brüssel und Hambourg ziemlich klein. Wendland ist ein anderes Welt. Ich finde das unglaublich schön und so erfüllend für meinen Geist und Seele. Ich liebe meine Heimatstadt Paris, aber die Lebensqualität ist überschätzt. Selbst wenn ich eine Villa in der Mitte von Paris hätte, würde kein Seeadler im Himmel zu sehen sein.

Was magst du an dieser anderen Welt?

Mir gefällt, zusätzlich zu der Natur, wie die zahlreiche Treffen und Debatten stattfanden. Vor Corona. Die Deutschen unterbrechen einander viel weniger als die Franzosen, sie hören einander mehr, sie sind daran gewöhnt, ein Kompromis zu finden. In Frankreich muss alles dramatisiert werden, die Andersdenkenden sind Feinde und müssen besiegt werden, nicht nur die Rechten sondern alle anderen Parteien. Ich übertreibe ein bisschen.  Es ist aber angenehmer in Deutschland zu diskutieren, vor allem beim Hitzacker-Dorf.

Ein Beispiel besteht darin, dass vegan, vegetarisch und Fleisch regelmäßig nebeneinander gekocht werden. Anders gesagt, ist der Ausdruck von dem Kräfteverhältnis zwischen verschiedenen Meinungen ruhiger als in Frankreich – vielleicht spielt die deutsche Geschichte eine Rolle dabei.

 

Schams El Ghoneimi und Rebecca Harms in Hitzacker Dorf
Wie erwartet habe ich auch beim bauen gelernt, weil ich früher nie Handarbeit gemacht hatte. Besonders während die ersten zwei Monaten vor Corona Krise, hatte ich mit sehr verschiedenen Generationen mitgearbeitet: das fand ich toll. Trotz Missverständnissen auf Deutsch und meinen mangelnden Kenntnissen, haben die Genossen im Dorf mir viel gezeigt und erklärt. Deswegen habe ich nicht nur schweres Material getragt, sondern auch gebohrt, geschraubt, genagelt, gesägt, getackert, Fenster abgedeckt, Mauern mit Dämmung isoliert, Feuerdeckung und sogar Lehm gemacht. 
Und was nervt?
Was nervt mich ist hauptsächlich Corona. Ich war so glücklich Leute kennen zu lernen, zu jedem zum Abendessen zu kommen oder schöne Cafes in Wendland zu entdecken.Nun fühle ich mich viel alleiner. Trotzdem kann ich oft im Wald oder am Elbe laufen gehen, was im Moment eine schöne Unterschied in Vergleich zu Frankreich ist.

Sonst ist, ganz verständlich, auch in Wendland alles nicht perfekt. Sehr viele Leute rauchen und manche die sagen, dass sie die Planet schützen wollen, werfen ihre Zigaretten auf dem Boden – trotz dass sie eine Umweltkatastrophe sind.

Müll sammeln im Wendland
Ich habe auch viel Abfall im Wald gefunden: Zigaretten aber auch Plastik und sogar Reifen, ein Fernseher, eine Stereoanlage, ein Drucker, ein Internet Modem. Ich habe sie natürlich gesammelt. Wenn es zu schwer zu tragen war, have ich ein tolles Verein durch Instagram kontaktiert, Strand Gut Hitzacker. 

Last but not least gibt es auch hier viel online Desinformation wie in Frankreich, meistens von der russische Regime. Zu viele gebildete Leute verbreiten Verschwörungstheorien als Nachrichten, ohne zu wissen, dass sie 100% von ein Mann kontrolliert sind – der Vladimir P heißt, der Rechtsextreme rund um die Uhr in Europa überall unterstützt. Demokratie und freie Medien sind in unseren beiden Ländern verletzbarer als wir denken. Zum Glück kann man in Europa darüber schreiben, ohne ins Gefängnis zu gehen!

Was vermisst du?

Ich vermisse Französische Küche, Pommes in Belgium und die hektischen Sitzungen des europäischen Parlament, ganz klar. Vor allen Dingen Familie und Freunde!

Als wir uns in Brüssel begegneten, hast du zu den Folgen des Arabischen Frühlings gearbeitet. Du hast persönlich viel Verantwortung  für syrische Flüchtlinge übernommen. Kannst du deine Erfahrungen aus deinen verschiedenen Welten, aus Frankreich, Ägypten, Belgien und dem deutschen Wendland verbinden?

Das ist eine schöne Frage. Es geht immer um Leute, die Resignation und Defätismus ablehnen. Idealistische Leute die träumen und probieren, die Welt zu verbessern.

Beim Dorf versucht man, eine Gesellschaft solidarischer, nachhaltiger, flüchtlingsfreundlicher zu bauen.

Mit Syrians Got Talent und die 21 Konzerten, die ich mit syrischen Flüchtlingen organisiert habe, wollten wir sagen: wir stehen zusammen gegen Rassismus, für Soziale Inklusion und Vielfalt in Europa. Musik war unsere Waffe gegen die Grenzen der Sprache und der Vorurteilen.

Als ich in Kairo für NGOs arbeitete, wollte man auch eine andere Welt zeichen. Millionen von Frauen und Männer haben im Jahre 2011 von Würdigkeit, Freiheit und soziale Gerechtigkeit geträumt und dafür gehandelt. Es war in dieser Zeit außerordentlich schön und demütigend zu entdecken, wie reich, vielfältig und fähig die arabischen Gesellschaften waren.

Menschliche Energie und Hoffnung brauchen wir alle als Menschen.Ohne Idealismus wäre die Welt sogar noch kälter und schwerer. Wir sollen nie aufhören, zu träumen.

Im Jahr vor der Europawahl hast du eine selbstorganisierte Kampagne für die EU gemacht. Du bist unermüdlich gereist und hast allein Dutzende von Veranstaltungen gemacht. Hast du dabei etwas über die Bürger und die Europäische Union gelernt?

Viel! Ich habe freiwillig 100 öffentlichen Debatten über die EU organisiert in 40 Landkreisen für 15 Monaten. Das war auch ein altes Traum von mir.

Erstens habe ich gelernt, Leute besser zu hören . Es war immer wichtig, Vorurteilen zu überwinden und Vertrauen zu bilden, dafür braucht man weder langen Reden noch eine Powerpoint Presentation, sondern Zuhören und Empathie, Kreativität, Improvisation – und möglichst Humor.

Ich fand besonders bereichernd, die individuellen Erfahrungen von Europa zu suchen – die persönlichen Perspektiven. Eigentlich kann jede und jeder ihre und sein Familie, Heimat und Arbeit mit Europa verbinden. Das habe ich versucht, sogar mit mancher wütender Gelbe Westen (Gilets Jaunes), die manchmal alles kaputt machen wollten. Viele Leute, die ich getroffen habe, haben ihre Meinungen über die EU grundlegend verändert.

Wenn wir zusammen sprechen und versuchen, uns raus von die Blasen von Brüssel, Berlin oder Paris zu engagieren, gibt es Hoffnung. Besonders nach dem Brexit muss man verstehen, wie gefährlich die Polarisierung der Gesellschaft ist für die demokratische Debatte. Ich liebe deswegen inzwischen in verschiedenen Blasen zu reisen, als französischer Ägypter, als Pariser der in Hitzacker wohnt, oder als politischer
Berater aus dem Europaparlament, der Bauarbeit entdeckt.

Außerdem hat meine Meinung über unsere Demokratie sich dadurch verändert. Diese Debatten deuten darauf hin, dass deliberative Demokratie für unsere representative Systeme wichtig ist, dass wir uns öfter beteiligen müssen  als nur ein Mal pro zwei oder fünf Jahren an der Wahlurnen.

Fakt ist, die Teilnehmer in unsere Debatten fühlten sich zufrieden und respektiert, nicht nur in diesem Austausch sondern noch nach Monaten. Ich werde mich also mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir  für eine möglichst umfassende Einbeziehung der Bürger sorgen.

Ich sage überhaupt nicht, dass wir eine direkte Demokratie brauchen, wie die von die Gilets Jaunes erfordert ist – das könnte schlecht enden. Wir mussen aber viel mehr BürgerIinnen auch zufällig einladen, mit ihren gewählten Abgeordneten persönlich und ernst über ihre politische Arbeit zu reden.

Das Dorf ist ein beeindruckendes Beispiel von deliberative Demokratie, wobei jeder lernt, wie schwierig es ist, alles zu hören und zu respektieren, um eine Mehrheit für ein Kompromiss zu erreichen. Die Entscheidungen des Dorf sind deshalb von der GenossenIinnen als demokratisch legitim betrachtet, Leute sind Stolz auf diese Erfahrung – mit Recht!

Ich denke, wenn ein immer größerer und zufälliger Anteil der Bevölkerung eine aktive Rolle spielen würde, um mindestens in lokale Stadträte beizutragen, wäre unsere Demokratie partizipativer, legitimer und deshalb stärker.

Schams bei einer Wahlkampfveranstaltung

Welche Lehren nimmst du aus Hitzacker mit, wenn du nach Corona und vier Monaten in Hitzacker hoffentlich in das Europäische Parlament zurückkehrst?

Zunächst hoffe ich, dass ich auf Deutsch arbeiten werde! Zweitens wird Hitzacker Dorf mich inspirieren, um mehr deliberative Demokratie auf der europäische Ebene zu fördern. Wir brauchen « demokratische Innovation »? – auch für die Konferenz zur Zukunft Europas.

Drittens, mein Leben in ländliches Wendland hat meine Bewusstsein über unsere Planet erheblich verstärkt. Auf der Baustelle habe ich zahlreiche wichtige europäische Gesetze konkret gesehen, wie Gebäude Isolierung und der Schutz der biologischen Vielfalt des Wendlands. Es gibt aber noch viel zu tun, in allen Bereichen! Es ist momentan politisch unkorrekt zu sagen, Klimazerstörung ist eine viel tiefere Krise als Corona – es ist aber korrekt auf lange Sicht.

Du wolltest Hitzacker verlassen, als Corona unsere Welt über Nacht veränderte. Ist die Coronaverlängerung für dich einigermassen gut gelaufen? Wie finden denn deine Familie, dass du immer noch im Wendland bist?

An der Elbe
Jede Woche lasse ich meine Familie meine Photos aus schönem Wendland anschauen. Hier hat man das Recht auf dem Land, am Elbe oder im Wald spazieren zu gehen – mit Abstand. In Frankreich ist Ausgangssperre und man kann deshalb nur für weniger als eine Stunde pro Tag spazieren gehen,nur mit Mitbewohner und nur im Umkreis von 1km, außer wenn man ältere Menschen hilft. Die Lage in Wendland ist unvergleichbar. 


Würdest du wieder ins Wendland zurück kommen wollen?

Natürlich! Ich bleibe vermutlich bis Ende Mai, nachdem möchte ich sehr gerne wiederkommen. Ich bin gespannt, wie das Dorf in einem Jahr aussehen wird und möchte unbedingt die Seeadler an der Elbe wiedersehen.

Das (Email-)Interview führte Rebecca Harms

Schams ist auf Twitter hier zu finden @SchamsEU